Mit meinen heißen Tränen

In Koproduktion von ZDF, ORF und SRG entstand dieser Film um Franz Schubert; Buch und Regie: Fritz Lehner.

Der Titel ist ganz ernst zu nehmen: von menschlichem Leid wird gehandelt und von der Hitze unterdrückter Gefühle. Daß die Hauptfigur Franz Schubert heißt und im Biedermeier gelebt hat, darf nicht zu dem Schluß verleiten, in diesem Film gehe es um eine Musikerbiographie und ein kulturhistorisches Gemälde jener Zeit. Fritz Lehner deutet den lange Zeit ins Idyllische Abgeschobenen radikal und modern aus dem Grundproblem seines Lebens, der Unmöglichkeit von Liebe. Der österreichische Regisseur, dem zweimal der Prix Italia verliehen wurde, zeigt dieses Leben in drei verschiedenen Stadien.

Der erste Teil, Der Wanderer, befaßt sich mit Schuberts Syphilis-Erkrankung im Jahre 1823. Schmutz, Elend, Verfall herrschen im Krankenhaus; gesellschaftliche Ächtung, nicht zuletzt durch den strengen Vater (eindringlich: Traugott Buhre), folgt der scheinbaren Heilung auf dem Fuße. Selbst der Freundeskreis, dem sich die vielbeschworenen Schubertiaden verdanken, reagiert reserviert; Neid, Geringschätzung, Haß gehen hin und her.

Im Reiche des Gartens (2.Teil) sucht Schubert 1827 seinen Frieden, doch Natur erreicht er bei Lehner nicht; stets umgibt ihn die Gruppe und ihre Intrigen. F. von Schober gibt sich als Schubert aus, und Johann Strauß tritt als der erfolgreichere Tanzmusikkomponist auf.

Die Winterreise, 1828, spielt sich ganz in Schuberts letzter Wohnung ab. Geblieben sind nur die verzehrende Arbeit, Streit und Haßliebe zur 16jährigen Mitbewohnerin Josefa und sehnsüchtige Blicke auf die Frau im Nebenhaus.

Lehner scheut sich nicht, vieles zu erfinden, da es wenig gesicherte Daten zu Schuberts Leben gibt. Und er erfindet sehr subjektiv. Sein Film gibt eher Zeugnis vom Hunger unserer Zeit nach Gefühlen und Verständigung, als daß man in ihm etwas über Schubert erführe. Es ist zwar auch kein Musikfilm, aber leider spielt die Musik doch mehrfach die Rolle von Filmmusik, d.h. sie untermalt Bilder, oder die Bilder deuten Musik (naturgemäß die Highlights des Œvres) aus. Lehner wird der Musik nur dort wirklich gerecht, wo der Rhythmus des Films den himmlischen Längen Schubert'scher Musik entspricht. Geduld braucht der Zuschauer; er muß bereit sein, sich auf Lehners eigenwillige Sicht einzulassen. Trotzdem - Widerspruch und Ablehnung werden nicht ausbleiben, denn zu sehr weicht die Darstellung vom überlieferten Bild ab. Statt des süßen Kitsches der früheren Schubert-Filme wird man bei Lehner vielleicht sogar sauren Kitsch bemerken.